Donnerstag, 7. April 2016

Sekundärwelt

Heute will ich zu Rums.
Rund ums Weib am Donnerstag,
eine Linkparty, bei der alles verlinkt werden darf, was man für sich selbst genäht hat.
Soweit so gut.
Was mir bei meinen letzten Verlinkungen bei Rums aufgefallen ist, ist die Tatsache,
dass dann ganz schön viele Menschen auf meine Seite geschaut haben.
Wenn man so einen Blog betreibt, kann man sich allerhand Zahlen ansehen - klicks, Kommentare, Zugriffsquellen, etc.



Parallel dazu, dass ich heute rumse, hab ich mir Gedanken über ein Bild gemacht,
 welches grad durch die Medien geht.
Ein Laufwettbewerb in Linz, ein Marathon, bei dem es einen Bewerb für die ganz ganz Kleinen gab.
Knopflauf quasi.
42 Meter Vollgas.
Das Bild, das dabei gemacht wurde - dabei weiß ich gar nicht sicher, ob es ein Foto ist oder ein Screenshot - bildet eine Szenerie ab, die grotesk und irgendwie verkehrt anmutet.
Eltern, die ihre Kinder zur Ziellinie schleifen - heißt es dazu.
Kinder, die definitiv nicht glücklich dreinschaun.

Ich bin da schon gefährdet mit in diese Verurteilungshaltung zu gehen.
Ich mein, das geht doch gar nicht, diese vom Ehrgeiz zerfressenen Eltern, deren Kinder das erreichen müssen, was sie nicht geschafft haben. Selbstverwirklichung in zweiter Generation quasi.

Wenn ich mir Bilder von Sportlern in action ansehe, dann sehen die nicht glücklich aus.
Sie sehen angestrengt aus, verbissen bisweilen.
Sie sind in einer außergewöhnlichen Situation.

Wenn ich mit meinem Sohn bei einem Wettbewerb mitmache, oder sagen wir mal im Garten etwas spiele - Fussball zum Beispiel, dann könnts gut sein, dass ich spielerisch verträglichen Ehrgeiz entwickle, Biss bekomme.
Möglicherweise ist es auch diesen Eltern so gegangen, weshalb sie in dem Moment - ein Foto ist lediglich eine Momentaufnahme - nicht daran gedacht haben ihren Arm weiter unten zu halten, damit es für das Kind nicht so anstrengend ist, sondern sie haben ihren eigenen Arm hochgerissen, weil sie selbst euphorisch - die Zielgerade bei einem 42 Meterlauf hat man ja quasi permanent vor Augen - waren.


Wie dem auch sei, mir ist das eh völlig wurscht, was da bei dem Linz Marathon abgelaufen ist.
Die dahinterliegende Frage, die mich beschäftigt hat, war die nach der (Un)Wirklichkeit, nach der eigenen Meinungsbildung und inwiefern ich mit meinem Blog dazu beitrage die Realität zu verzerren.

Meine Bilder sind stets bearbeitet, 
nein Leute, ich fotografiere nicht so gut, wie es ausschaut! ;-)
Ich ändere Helligkeiten, die Schärfe, ich schneide Dinge weg.
Nein, ich retuschiere nicht. 
Das liegt wohl auch daran, dass ich nicht weiß, wie das geht bzw. mir das zu blöd ist.


Doch die genähte Kleidung versuche ich stets in ein möglichst gutes Licht zu rücken.
Und mal ehrlich: manches schaut in echt gar nicht so spektakulär und hochglänzlich aus, wie auf den Bildern.
Und manches ist in echt viel häufiger getragen, bei meinen Kinder und mir beliebter, als es die Bilder vermuten lassen.

Mein Blog ist nun ein Jahr alt und ich habe sog. Klickzahlen erreicht, die mich freuen und immer wieder überraschen.
Es ist schön, dass ihr euch anschaut was ich nähe und durchlest, was ich schreibe.
Gleichzeitig will ich heute ein wenig an uns alle appellieren:
es ist nur eine Sekundärwelt, es ist nicht das richtige Leben!


Und es ist an uns nicht aufzuhören uns mit den vorgefertigten Meinungen, den sozialen Medien etc. kritisch auseinander zu setzen. Genauso wie es unsere Aufgabe ist/sein wird unsere Kinder darauf vorzubereiten. Ihnen vorzuleben hinter die Kulissen zu schauen, am besten alles zu hinterfragen und sich nicht klein zu fühlen ob der großen und glänzend perfekten Paralellwelt - Internet.

Mein Shirt ist übrigens eine Miss Mariella - ja, schon zum zweiten Mal genäht - und eines dieser viel gewaschenen und getragenen Lieblingsteile.
Die Bilder stammen aus der Stoffonkelprobenähserie und bilden deren Abschluss.

Stoffe: by Stoffregen
Schnitt: Miss Mariella von mialuna
Linked: RUMS

Kommentare:

  1. Deine Kombi finde ich sehr schön und frisch.
    Ich bearbeite meine Bilder nicht immer. Mal aus Zeitmangel, mal auch aus Faulheit.
    Deinen Post fand ich sehr interessant.
    Alles Liebe Claudia

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    1. Danke dir und ja, es geht ganz schön viel Zeit drauf alle Bilder zu bearbeiten. Ich mach dabei fast immer die gleichen Dinge und experimentier aktuell ganz wenig herum mit meinem Photoshop. Da ginge schon noch mehr und mir gefallen auch oft die Bilder auf anderen Blogs. Aber ich sags wie es ist: ich hab das nicht gelernt. Und auch keinen, der mir das erklären kann. Und ja, manchmal kommen sie bei mir auch unbearbeitet auf den Blog, ich füg grad mein Logo ein und aus.
      Liegrüs

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  2. Find ich super, dass du dieses Kinder-Marathon-Thema aufgegriffen hast. Ich bin ebenfalls auf Facebook draufgestoßen, war entsetzt und wollte schon einen giftigen Kommentar abgeben... doch dann hab ich die Zeilen wieder gelöscht. Mir ist der gleiche Gedanke gekommen wie dir... "Momentaufnahme"
    Man sollte nicht zu schnell urteilen.

    Nyotas Kombi sieht wiedermal zuckersüßest aus. Sie selbst steht dem Outfit natürlich nichts nach.
    Dein Shirt ist mir unlängst schon aufgefallen, sehr fesch... aber der Rock, hm... also ich weiß nicht...hm... wie soll ich sagen.... mutig, ich sag mutig! ;D

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    1. Liebste Eva, wie du sagst, man soll nicht vorschnell urteilen.
      Der "mutige" Rock ist ein nicht weniger mutiges Kleid. Zeig ich dir mal als Ganzes, im Sommer. :-)
      Druck di, bis boid

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